Andacht

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Liebe Leserinnen und Leser,

„Ich glaube an Gott, den Vater ….“ Jeden Sonntag wird in den Gottesdiensten das Glaubensbekenntnis gesprochen. Eine Verbindung wird hergestellt zu den Christinnen und Christen weltweit, die in ihren Gottesdiensten ihren Glauben bekennen - mit den alten Worten der Tradition oder mit neuen Bekenntnissen über eigene Glaubenserfahrungen. Wir sagen und bekennen, woran wir glauben, woran schon Generationen vor uns geglaubt haben, was sie an uns weiter gegeben haben. Was aber ist der Glaube? Was heißt „glauben“? Gibt es so etwas wie eine Definition des Glaubens? „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ So leitet der Verfasser des Hebräerbriefes einen Abschnitt seines Briefes ein, in dem er von Menschen erzählt, die Glaubenswege gegangen sind. Und er fängt dabei ganz vorne an in der Geschichte Gottes mit seinen Menschen, berichtet von Noah, der Gottes Auftrag folgte und eine Arche baute, ohne zu ahnen oder gar zu wissen warum. Er berichtet von Abraham, der sich nur aufgrund einer nächtlichen Verheißung in ein fremdes Land aufmachte, zusammen mit seiner Frau Sara, die dem Versprechen Gottes traute, auch im hohen Alter noch ein Kind zu bekommen. Er berichtet von vielen weiteren Frauen und Männern, die Gott vertraut haben und ihm ihr Leben anvertraut haben. Für diese Menschen war Glaube nicht allein etwas, das sie von ihren Müttern und Vätern überliefert bekamen und in dem sie nun selbst lebten, sondern auch etwas, das sich neu und unerwartet im eigenen Leben zeigte und ihre Zukunft bestimmte und veränderte, „eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“. Glauben bedeutete Vertrauen in das alte und immer wieder neue Versprechen Gottes von seinem guten Willen mit uns Menschen. In diesem Vertrauen machten sich Menschen immer wieder auf den Weg. Von diesen Wegen erzählt die Bibel und will auch heute Sehnsucht wecken nach den Aufbrüchen des Glaubens. Was aber, wenn Hoffnungen enttäuscht werden und Wünsche unerfüllt bleiben? Was, wenn das eigene Leben so gar nicht zuversichtlich, sondern voller Zweifel ist? Was, wenn das Leben nicht gelingen will? Dann weitet der Blick in die Bibel auch hier unsere Sicht. Denn auch die Glaubensväter und –mütter kannten Schwierigkeiten, kannten Leid und kannten Zweifel. Das wird weder geleugnet noch klein geredet oder verharmlost. Aber es ist eben nur die Hälfte des Erfahrbaren. Die andere Hälfte liegt bei Gott und Gott lässt sich von den Zweifeln seiner Menschen nicht anstecken und bleibt bei seiner Zusage. Damals und heute. Dietrich Bonhoeffer, der evangelische Pfarrer und Widerstandskämpfer, hat es so auf den Punkt gebracht: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“

Mit diesen Worten, liebe Gemeinde,

grüße ich Sie an dieser Stelle zum letzten Mal am Ende einer Andacht. Am 1. November 2017 werde ich eine neue Stelle antreten und als Krankenhausseelsorgerin in Bremen arbeiten. Ich werde gerne an die sechs Jahre zurückdenken, die ich in Selm gelebt und gearbeitet habe. Es war eine gute Zeit, die mein weiteres Reden und Handeln als Pfarrerin prägen wird.

 

Herzlichst,

Ihre Pfarrerin Heike Scherer

 

Es ist aber der Glaube

eine feste Zuversicht auf das, was man hofft,

und ein Nichtzweifeln an dem,

was man nicht sieht.

(Hebräerbrief, Kapitel 11)

Eintrag vom: 27.09.2017

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